Internetzugang in Österreich

Seit 1997 nutze ich das Internet. Anfangs hat man sich über 56k Modems eingewählt – das surfen auf diversen Webseiten und das gelegentlich Herunterladen von ein paar Megabyte großen Dateien funktionierte ganz passabel. Wer etwas mehr wollte hatte ISDN mit 64 kBit.

Später kam ADSL und Österreich war ziemlich früh ziemlich gut versorgt 512 kBit bzw. 768 kBit hat für die ersten 2000er Jahre auch genügt. Diverse Kabelanbieter haben begonnen Internet über  Kabel TV Leitung anzubieten – auch das eine feine Sache. Internet via Kabel TV hat in den letzten Jahren Internet über die Kupfer Telefonleitungen abgehängt und bietet weit mehr Bandbreite auf größere Entfernungen – UPC und Liwest zb. bieten erschwingliche 100 MBit Anschlüsse.

Als neueste Lösungen für den Internetzugang gibt es verschiedene wireless Varianten wie UMTS und LTE. Das ist eine nette Sache um mobil auf das Internet zuzugreifen, aber meiner Meinung nach nicht für die Anbindung eines Haushalts, geschweige denn eines Arbeitsplatzes geeignet (obwohl uns die Provider das einreden wollen)

Bis vor ein paar Jahren hat das alles ganz gut mit den Anforderungen, die an eine Internetleitung gestellt werden, mit skaliert. In letzter Zeit scheint allerdings eine Lücke zwischen dem Bedarf und der verfügbaren Bandbreite zu klaffen. In Ballungszentren ist die Versorgung ok, aber wenn man etwas aufs Land hinauskommt sieht es katastrophal aus.

Ich bin selbst vor einem Jahr von Linz nach Weichstetten aufs Land gezogen. Dort gibt es kein Kabel TV und damit kein Internet via Kabel. Das nächste Wählamt ist mehr als 4 km entfernt und damit liefert ADSL, wegen der Dämpfung auf der Kupferleitung, weniger als 1 MBit. UMTS gibt es nur von einem Anbieter (Drei), was dazu führt, dass wahrscheinlich ca. die Hälfte der Haushalte des Dorfes diese Variante gewählt haben.

Hier zeigt sich deutlich dass UTMS nicht geeignet ist – auch wenn man zu mancher Tageszeit ganz passabel damit surfen kann so ist es in der Stosszeit (Abends und am Wochenende) unbrauchbar, da total überlastet. Was auch klar ist, denn wie dick kann die Leitung sein, die Drei für ihren UMTS Masten bei A1 angemietet hat? 100 MBit ist optimistisch geschätzt – dividiert durch mehr als 100 Haushalte bleibt da nichts mehr übrig.

Aktuelle Anforderungen an einen Internetanschluss sind:

  • Internetradio und sonstige Musik ohne Verzögerung streamen
  • HD Video über Dinge wie Youtube, Apple TV und iTunes streamen
  • Videotelefonie via Skype und Facetime
  • Betriebsystem Updates in Größenordnungen von mehr als 4 Gigabyte innerhalb von 2 Stunden laden
  • Gigabyteweise Daten auf ein Onlinebackup zu speichern

Viele Menschen stellen diese Anforderungen vielleicht jetzt noch nicht an ihre Internetverbindung, aber ich bin mir sicher sie werden es bald.

Woran liegt es, dass Österreich seine einstige Vorreiterposition bei der Internetanbindung verloren hat? Eine Mitschuld tragen sicher auch die Konsumenten. Österreich ist immer schon eines der Länder mit den niedrigsten Gebühren für Telefonie und Internet gewesen und das fällt uns jetzt auf den Kopf weil kein Geld mehr für den Netzausbau da ist. Mit den geringen Margen der Provider müssen sie versuchen Kunden vie Roaming und Überschreitung von Transferlimits abzuzocken um noch was zu verdienen.

Auf Seiten der Konsumenten sehe ich ein Henne-Ei-Problem. Ihnen ist noch nicht bewusst was sie mit einer besseren Internetanbindung für Dienste nutzen können und deshalb genügt ihnen die verfügbaren Varianten (zum täglichen facebook check reichts ja). Auch sind wenige bereit mehr als 20 EUR pro Monat für Internet auszugeben – aber für Sky geben sie 70 EUR pro Monat aus.

Anderswo (in Kansas City) bietet Google demnächst Google Fiber an – eine Gigabit Anbindung für zuhause (1 Gigabit = 1000 Megabit). Da kommt dann HD TV und alle restlichen Medien über die Internetleitung, on demand, dann wenn ich was sehen oder hören will. Parallel reissen die Gerüchte über einen Fernseher von Apple nicht ab – ich glaube nicht, dass der Satelliten oder Kabel TV anzeigen wird, da geht es auch ganz stark Richtung Fernsehen über die Internetleitung.

Es muss sich etwas ändern damit wir an diesen zukünftigen Entwicklungen teilnehmen können!

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